Porträt

MAJAN: Aus Versehen berühmt

Noch vor zwei Jahren hat MAJAN ausschließlich für sich selbst musiziert – heute spielt er als Support vor bis zu 6000 Zuschauern, landete mit Cro in den Charts und wird als eines der größten Deutschrap-Talente gehandelt.

von Björn Rohwer

Der junge Mann in Shorts und im Max-Herre-Tour-Shirt ist zwar genauso gekleidet wie die Techniker – nachdem er unbeachtet vom Publikum auf die Bühne des Hamburger Stadtparks schleicht, setzt er sich aber nach vorn ans Klavier. „Ich hasse dich bis aus Blut“, singt MAJAN und begleitet sich dabei selbst. Die vorher noch munter redenden Zuschauer sind schnell gefesselt und zahlen ihm den fehlenden Auftrittsapplaus doppelt zurück. Max Herres Voract MAJAN ist 19 Jahre alt, kommt aus Schorndorf bei Stuttgart und wird als eines der größten Talente des Deutschraps gesehen.

Erlebt man ihn auf der Bühne, glaubt man kaum, dass er nicht einmal zwei Jahre Bühnenerfahrung hat. Damals spielte er auf dem Abiball seines Vorgängerjahrgangs das erste Mal überhaupt vor Publikum – vorher wussten selbst die meisten seiner Freunde nicht, dass er überhaupt singt und rappt.

Der Bruder des Freundes aus der Kleinstadt

„Musik ist für mich etwas sehr Intimes“, verrät MAJAN. „Ich wollte mich da früher nie in den Mittelpunkt stellen – nach dem Motto ‚Oh guckt mal, ich kann übelst krass singen!‘“ Schon mit acht hatte er angefangen Schlagzeug zu spielen – in der sechsten Klasse fing er dann an, sich das Klavierspielen selbst beizubringen.  Das hat ihn ausgefüllt. Den Masterplan Musiker zu werden, gab es aber nicht. „Es war alles mehr zufällig. Ich wollte mir nach dem Abi zwei Jahre Zeit nehmen und mich über Straßenmusik finanzieren. Ich bin da dann aber über einen guten Kumpel von mir tiefer reingerutscht.“

Dieser Kumpel ist der kleine Bruder des Berliner Produzenten Kilian. Er nervte seinen Bruder so lange, bis Kilian sich im Heimaturlaub Ende 2017 MAJAN anhörte – und direkt überzeugt war. Im vergangenen Jahr reiste MAJAN dann immer wieder nach Berlin, zog nach seinem Abitur in die Hauptstadt und gemeinsam mit Kilian und seinem Produzentenkollegen Jo entstanden immer mehr Songs, die sie an verschiedene Labels, Produzenten und Künstler rausschickten.

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Knapp 6000 Zuschauer lauschen MAJAN beim Mercedes-Benz Kultursommer.

Ungeplant in die Charts

Auch im Stadtpark ist Kilian dabei und unterstützt MAJAN von seinem zweiten Song an – nach dem Klavier-Solo kommen nun auch klassischere Beats und Rappassagen. Für einen Voract bekommt MAJAN dabei erstaunlich viel Aufmerksamkeit. Seine starke und kontrollierte Stimme, seine Ausstrahlung und der Vibe seiner Songs schaffen es in Minuten zu fesseln – eine Gabe, die ihm in den vergangenen Jahren viele Türen geöffnet hat. Und für viele Zufälle gesorgt hat.

So war „Nie da“ gar nicht als erster Release geplant. Die Jugglerz, Produzenten von Hits wie Bausas „Was du Liebe nennst“, hatten sich MAJANs Demos angehört und waren begeistert – insbesondere von dem Song „Ich hass dich“, mit dem er auch sein Set im Stadtpark eröffnete. „Wir haben dann eine Session gemacht und innerhalb von zwei Stunden ist ‚Nie da‘ entstanden. Sie haben es ihrem Team gezeigt, die wollten es tatsächlich rausbringen und dann war das halt der erste Release“, erzählt MAJAN.

MAJANs erste Single "Nie da"

Auch hinter der zweiten Single „1975“, der Kollaboration mit Cro, steckte kein ausgeklügelter Plan. „Dass wir das Demo an ihn geschickt haben war eher aus Spaß.“ Auch wenn beide aus derselben Region kommen, kannten MAJAN Cro vor „1975“ nicht. „Ich hab Cros Raop-Album mit zwölf zum Geburtstag geschenkt bekommen, aber ihn danach eigentlich nicht weiter verfolgt“, erzählt MAJAN. Das Demo von „1975“ begeisterte Cro aber. Er lud MAJAN für zwei Wochen zu sich nach Stuttgart ein und auch er bot ihm an, den Song zu veröffentlichen. Später konzipierte und produzierte er sogar das Musikvideo zur „1975“.

Geduld und Glücksgefühle

Wo auf der einen Seite der Zufall die größten Erfolge bringt, sorgen die geplanten Teile der Karriere eher für Frustration: „Mir dauert das alles einfach viel zu lang. Musik liegt dann teilweise ein Jahr rum – wie bei meinem aktuellen Song ‚Tag ein Tag aus‘. Da muss ich aufpassen, dass mir das nicht auf den Sack geht. Jeden Monat entstehen vier bis fünf Tracks – da hat man dann viel mehr Bock damit weiterzumachen, als an dem alten Kram zu arbeiten.“ 

Es ist aber das bisher einzige Manko. Er genießt die, wie es in seinem Spotify-Profil steht, „krasseste Zeit seines Lebens“ und kann die rasante Entwicklung manchmal kaum glauben. „Ich kann da gerade so übelst viel mitnehmen und lernen. Es ist halt schon wie eine andere Welt, in der man sich auf einmal bewegt.“ 

Auf der Bühne scheint er diese Musikwelt aber schon zu beherrschen. Die wenigsten der Fans von Max Herre werden MAJAN vorher gekannt haben und trotzdem ist der Applaus fast so laut wie für den Hauptact des Abends. Er hat mit Sicherheit wieder einige von ihnen für sich gewonnen. Was in Zukunft kommt? „Eine EP oder ein Album – das weiß ich noch nicht genau. Auf alle Fälle erstmal Musik raushauen.“ 

Foto: Danny Jungslund