Kurios

So klangen Cro, Trettmann und Co. vor ihrem Durchbruch

Hän Violett, Lyr1c oder Bass Boy – kennt ihr nicht? Doch! Wir haben uns die Hip-Hop-Geschichte genau angesehen und Songs aus früheren Karrieren ausgegraben. 

von Björn Rohwer

Es ist selten direkt das erste Release, das einen an die Chartspitze bringt. Und manchmal ist es auch nicht direkt der erste Künstlername. Wir haben uns durch die Hip-Hop-Historie gewühlt und zeigen euch sechs Karrieren vor der eigentlichen Karriere – natürlich allesamt mit Hörprobe!

Namika als Hän Violett

Als Namika 2015 mit „Lieblingsmensch“ der Chartdurchbruch gelang, war sie in der Frankfurter Rapszene längst bekannt – allerdings unter anderem Namen. Als Hän Violett veröffentlichte sie kurz nach ihrem Abitur auf eigene Faust das Mixtape „Flow zum Gesang“. Passend zum Titel war damals schon der geflowte Gesang eines ihrer Markenzeichen. Stark beeinflusst von Missy Elliot rappte sie damals aber noch auf härtere Beats, veröffentlichte Battle-Tracks und war auch modisch stark vom Hip Hop der 90er-Jahre beeinflusst. Mit dem Major-Deal und dem Erwachsenwerden kamen der neue Name, das neue Image und der Charterfolg.

 

Felix Brummer als Bernd Bass / Bass Boy 

Wenn im Oktober Kraftklub-Frontmann Felix Brummer unter seinem bürgerlichen Nachnamen Kummer das Album KIOX rausbringt, ist das keineswegs sein Debüt als Rapper. Als Bernd Bass brachte er gemeinsam mit Linus der Profi 2007 das Album „Feierabend“ raus – 2008 folgte der direkte Nachfolger „Mit Handtuch und Kapuze“. Danach tat sich Felix mit der Band Neon Blocks zusammen, gemeinsam nannten sie sich Kraftklub. Bevor die Solo-Rapkarriere aber erstmal in den Hintergrund rückte, erschien 2010 noch ein „Halt Die Fresse“. Felix trat jetzt als Bass Boy auf und scharrte schon hier die späteren Kraftklub-Jungs um sich.

 

Trettmann als Ronny Trettmann

Zum Festival-Headliner wurde Trettmann erst mit seinem 2017er-Album „#DIY“ – Musik macht er aber schon jahrzehntelang. Das erste Mal in den Charts landete er bereits 2006. Damals sang er als Ronny Trettmann noch Reggae auf sächsisch. Aus dieser Zeit stammt auch der Künstlername „Trettmann“, der sächsisch ausgesprochen wie „Dreadman“ klingt. Der Wechsel zum heutigen Stil kam erst 2016 mit der ersten KitschKrieg-Kollabo.

 

Olson als Olson Rough

Wie Trettmann hatte auch Olson am Anfang seiner Karriere noch einen längeren Künstlernamen – Olson Rough. Den Zusatz „Rough“ legte er aber ganz selbstreflektiert bereits Ende 2011 ab, als er sich vom Straßenrap abwand und immer mehr zum Poprapper wurde.

 

RAF Camora als Teil von Family Bizz

Dass RAF Camora schon lange im Geschäft ist, wird keinen mehr überraschen – aber in wie vielen Crews er schon gerappt hat ist doch beachtlich. Rapatoi, French Connection, Assaut Mystik, Balkan Express, Family Bizz – das sind alleine die verschiedenen Kombos vor seinem 22. Lebensjahr. Damals rappte er noch vorwiegend auf französisch, bevor er sich dem Produzieren und dem Deutschrap zuwand.

 

Cro als Lyr1c

Auch Cro hat seine Karriere nicht mit Raop sondern mit Battlerap begonnen. 2006 nahm er als Lyr1c zum ersten Mal an der Reimliga Battle Arena (RBA), einem Online-Audio-Rapbattle, teil. 2009 brachte er ebenfalls als Lyr1c sein erstes Mixtape „Trash“ heraus, bevor dann zwei Jahre später der große Durchbruch als Cro kam. 2015 nahm Cro seinen alten Künstlernamen nochmal an und trat wieder zu einem Duell in der RBA an – auch heute hat er das battlen absolut noch drauf.

Collage/Fotos: Saeed Kakavand (Cro), KitschKrieg (Trettmann), David Daub (Namika)